Projekt Telefon Sammlung
Eine Private Telefon Sammlung

Reparatur Lo133

war die Erste Reparatur für mich an einem Fernschreiber, dies zog sich über mehrere Wochen da es einige Ersatzteile nur noch in bestimmten Kreisen gab, und diese daher sehr schwer erhältich waren.

Die Reparatur meines Lorenz Lo133 zog sich über mehrere Wochen, das Problem war die völlig zerfallene Schreibwalze. Der Fernschreiber stand laut Aussage, des ehemaligen Besitzers seit etwa den 80iger Jahren in einer Plastiktüte der Deutschen Bundespost verpackt in einer Ecke. Diese Verpackung hat dafür gesorgt, das der Fernschreiber nicht gut gelüftet war, und so die Öle in der Mechanik ausgedunstet haben und die Schreibwalze so angegriffen haben. Das Resultat war das die Schreibwalze, komplett Weiß und brüchig geworden war und alle Weichmacher verschwunden waren.


Das herausfummeln der Bröckchen der Schreibwalze gestaltete sich als nervtötende Arbeit, denn egal wie man die Stückchen anfasste sie zerbrachen durchweg in immer mehr kleine Bröckchen und Stückchen! Daher empfele ich den Schreibwagen jeweils bis zum Ende zu schieben, und dann die Hand darunter zu halten an der Seite, die Papier Führung wegzudrücken und dann mit einem Messer die Stückchen in die Hand zu schieben.


Der Rest der Schreibwalze auf meinem Schreibtisch, tausende kleine Bröckchen und Stücke die bei vorsichtigen anfassen immer weiter zerbröseln, die Weichmacher sind dort absolut raus und nicht mehr vorhanden:



Der Fernschreiber war laut Herr Borowski noch in einer Plastiktüte von der Post verplomt, und lag seit 1986 im Dornröschenschlaf! Sehr erfreulich war der noch vorhandene Plombierungszettel der Deutschen Bundespost vom 02.01.1986:

 

Der Nächste Schritt am Lorenz Lo133 Fernschreiber, war die Entfernung des ERO Netzfilters der durch eine Chemische Reaktion im inneren, sich früher oder später mit einem lauten Knall verabschiedet. Der Filter verstreut im Detonationsfall heiße Boronsäure, was keine nette Sache ist :thumbdown:

Der Übeltäter noch verbaut:



Der Netzfilter ist ausgebaut und kann es auch bleiben, wie man möchte ich hab mich für endgültig raus entschieden, kann man später immernoch ändern. Die 2 Netzleitungen sind mit einer Lüsterklemme zu brücken, darauf achten das keine blanken Enden mit dem Gehäuse in Berührung kommen:



Der Entstörfilter in der Nahansicht, ein solches harmlos aussehendes Bauteil kann solchen Spaß verursachen :/



Es gab erhebliche Probleme bei der Textausgabe des Fernschreibers, im Endeffekt hat er nur Müll aufs Papier gebracht, nur einige wenige Wörter und Zahlen waren überhaupt lesbar! Vermutlich hat der Vorbesitzer oder wer auch immer, am Fliehkraftregler rumgespielt und von + auf - und umgekehrt gestellt, so das die Motor Geschwindigkeit absolut verstellt war!

Ich hatte weder eine Stimmgabel für 125 Hz, noch Lust die Tastenklicks zu zählen also habe ich eine einfache aber effektive Methode benutzt, um den Fernschreiber einzustellen. Wenn man schon das I-Telex System besitzt, kann man sich an einem Rechner die IP Konsole öffnen den Fernschreiber von dort aktivieren und dann in Wechselrichtung schreiben. Man sieht am Fernschreiber was man am PC eingibt, und umgekehrt doch das wichtige ist vom Fernschreiber auf den Rechner!

Das bei mir keine genau Einstellung möglich war, habe ich zuerst den Fliehkraftregler zerlegt und das Masserad neu geölt und gangbar gemacht, sowie den Kontakt etwas poliert, danach war eine Einstellung kein Problem mehr. Der Fliehkraftregler sieht folgendermaßen aus:



Um an den Regler zu kommen muss man folgendes tun:

1. Fernschreiber vom Stromnetz trennen, ansonsten Stromschlaggefahr!
2. Haube des Fernschreibers aufklappen, und Maschiene aus dem Gehäuse heben.
3. Im hinteren Bereich den Motor mit 2 Schlitzschrauben öffnen und Gehäuse, des Motors vorsichtig abnehmen.
4. Am Motor alle 4 Schlitzschrauben lösen und entfernen, dann kann der Motor nach oben etwas herausgenommen werden.
5. Von vorne gesehen auf der linken Seite die kleine silberne Dose öffnen, vorher die zwei kleinen Schlitzschrauben entfernen.
6. Leicht mit einem Messer die relativ festsitzende Dose öffnen!
7. Die Medenschraube auf dem das Masserad läuft "Rundes Rad mit Gummiring" ein wenig ölen und per Hand immer hin und her drehen, so kann man den Fliehkrafregler wieder gangbar machen, und wieder gut mit dem + und - Regler bedienen.


Ein paar Bilder des Motors, sowie des Fliehkraftreglers und der 6 eckigen Stoboskopscheibe kurz nach dem Motor.

Birne sowie Schalter die beim einstellen der Motor Geschwindkeit, einzuschalten ist damit man die 6 eckige Stoboskopscheibe sehen kann:



Die 6 eckige Stoboskopscheibe, mit schwarzen und weißen Seiten:



und nochmal die Scheibe aus einer anderen Sicht:



Dank dem User Jan der mir eine neue Schreibwalze hat zukommen lassen, konnte ich den Lo133 fast fertigstellen. Der Ausbau sowie Einbau der Walze gestaltete sich als deutlicher einfacher als gedacht, eine kleine Anleitung möchte ich euch dazu noch schreiben.


1. Rot/Schwarz Umschaltung lösen
2. Papiervorschubwelle lösen
3. Die 2 Schlitzschrauben auf der Oberseite, des Schreibwagens lösen dann den Schreibwagen herausnehmen.
4. Handdrehrad abbauen, durch komplettes rausschrauben der Madenschraube
5. Am Weißen Plastikzahnrad ebenfalls lange Schwarze Schraube völlig herausdrehen, und Zahnrad abziehen.
6. An der Walze die Schwarze Schraube komplett rausdrehen
7. Auf die Mechanik am Ende achten dort gibt es eine Feder, die man vorher aushängen muss
8. Dann vorsichtig an der Mechanik ziehen, und die Metallstange völlig herausziehen und alte Walze herausnehmen.
9. Neue Walze einsetzen und Stange wieder durchschieben, alle Schrauben wieder befestigen, auf den richtigen Sitz der Zahnräder achten vorallem für die Zeilenbreite sowie den Papiervorschub.

Es sieht wieder alles sehr gut aus, mit der neuen Schreibwalze:



Erste Ergebnisse die viel Spaß auf mehr machen: